E-Rechnungspflicht in den VAE: Umfassender Leitfaden zur Compliance
Erfahren Sie mehr zur E-Rechnungspflicht in den VAE, zu Fristen, 50-Mio.-AED-Grenze, PINT-AE, Peppol und Accredited Service Providern.

Die Vereinigten Arabischen Emirate führen im Rahmen der Digitalisierung ihrer Steuer- und Finanzprozesse schrittweise die strukturierte elektronische Rechnungsstellung ein. Mit den 2025 veröffentlichten Regelungen wurden der Geltungsbereich des E-Rechnungssystems, die Pflichten der Unternehmen und der Zeitplan für die Einführung konkretisiert.
Das E-Rechnungsmodell der VAE basiert auf dem OpenPeppol-Standard. Unternehmen senden und empfangen strukturierte elektronische Rechnungen über autorisierte Service Provider. Bestimmte Rechnungsdaten werden im Rahmen desselben Prozesses außerdem elektronisch an die Federal Tax Authority (FTA) gemeldet.
Geltungsbereich und Zeitplan der E-Rechnung in den VAE
Die E-Rechnungspflicht wird in den VAE abhängig vom Jahresumsatz eines Unternehmens schrittweise eingeführt. Die Pilotphase begann am 1. Juli 2026. Seit diesem Zeitpunkt können Unternehmen dem System auch freiwillig beitreten. Die verpflichtende Einführung erfolgt 2027 gestaffelt für unterschiedliche Unternehmensgruppen.
Der Zeitplan im Überblick:
Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen AED:
Bis zum 30. Oktober 2026 muss ein Accredited Service Provider (ASP) ausgewählt werden.
Ab dem 1. Januar 2027 ist die Nutzung des E-Rechnungssystems verpflichtend.
Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen AED:
Bis zum 31. März 2027 muss ein Accredited Service Provider ausgewählt werden.
Ab dem 1. Juli 2027 ist die Nutzung des E-Rechnungssystems verpflichtend.
Für öffentliche Einrichtungen im Geltungsbereich:
Bis zum 31. März 2027 muss ein Accredited Service Provider ausgewählt werden.
Ab dem 1. Oktober 2027 wird die Nutzung des E-Rechnungssystems verpflichtend.
Das E-Rechnungssystem der VAE gilt grundsätzlich für B2B- und B2G-Transaktionen von Personen, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten geschäftlich tätig sind. Für bestimmte Personen und Transaktionsarten sehen die Vorschriften Ausnahmen vor.
Wie werden E-Rechnungen in den VAE versendet und welche Formatvorgaben gelten?
Das E-Rechnungsmodell der VAE unterscheidet sich von Systemen, bei denen Unternehmen ihre Rechnungen direkt auf ein zentrales staatliches Portal hochladen.
Stattdessen erfolgt die Anbindung über einen vom Ministry of Finance zugelassenen Accredited Service Provider (ASP).
Accredited Service Provider (ASP)
Unternehmen, die unter die E-Rechnungspflicht fallen, müssen einen vom Finanzministerium der VAE akkreditierten Service Provider auswählen.
Die Rechnungsdaten aus dem ERP- oder Buchhaltungssystem des Unternehmens werden an den ASP übertragen. Der Service Provider prüft die Daten anhand der technischen Vorgaben und Geschäftsregeln, bringt sie bei Bedarf in das vorgeschriebene strukturierte Format und übermittelt die E-Rechnung an den Service Provider des Empfängers.
Damit reicht es für verpflichtende E-Rechnungsprozesse in den VAE nicht aus, lediglich einen beliebigen Peppol Access Point zu nutzen. Der Anbieter muss offiziell als UAE Accredited Service Provider zugelassen sein.
Format und technische Anforderungen
Die zentrale technische Spezifikation des E-Rechnungssystems der VAE ist PINT-AE.
PINT-AE ist die für die Vereinigten Arabischen Emirate angepasste Umsetzung des Peppol International Invoice Model. Sie definiert landesspezifische Datenfelder und Geschäftsregeln für elektronische Rechnungen und Gutschriften.
Eine E-Rechnung in den VAE besteht daher nicht einfach aus einer PDF-Datei, einem Word-Dokument, einem Bild oder einer eingescannten Rechnung.
Die Rechnung muss strukturierte Daten enthalten, die von Softwaresystemen elektronisch verarbeitet werden können.
Wie funktioniert das Five-Corner-Modell der VAE?
Die E-Rechnungsinfrastruktur der VAE basiert auf einem Five-Corner-Modell, das nach dem Ansatz Decentralized Continuous Transaction Control and Exchange (DCTCE) aufgebaut ist.
Im klassischen Peppol-Modell findet der Rechnungsaustausch zwischen vier Hauptparteien statt:
Verkäufer → Service Provider des Verkäufers → Service Provider des Käufers → Käufer
Im Modell der VAE kommt die Federal Tax Authority (FTA) als fünfte Partei hinzu.
Vereinfacht dargestellt:
Verkäufer → ASP des Verkäufers → ASP des Käufers → Käufer
↓
Federal Tax Authority (FTA)
Der ASP übernimmt dabei mehr Aufgaben als die reine technische Weiterleitung einer Rechnung.
Der ASP des Verkäufers:
empfängt die Rechnungsdaten,
führt die erforderlichen Validierungen durch,
bringt die Rechnung in die für die VAE vorgeschriebene Struktur,
übermittelt sie an den ASP des Käufers,
meldet die erforderlichen Daten an die FTA.
Die vollständige Handelsrechnung und der an die Steuerbehörde übermittelte Datensatz erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen. Die an die FTA gemeldeten Informationen werden über das Tax Data Document (TDD) verwaltet.
Dadurch können Rechnungsaustausch und steuerliche Meldung innerhalb desselben digitalen Prozesses ablaufen.
Wie funktioniert das Tax Reporting im E-Rechnungssystem der VAE?
Im Modell der VAE sind der elektronische Rechnungsaustausch und die steuerliche Meldung eng miteinander verbunden.
Wenn der ASP des Verkäufers die strukturierte Rechnung an den ASP des Käufers übermittelt, meldet er gleichzeitig die erforderlichen Informationen aus dem Tax Data Document (TDD) an die FTA.
Auch der Service Provider des Käufers führt im Rahmen des Empfangs und der Verarbeitung die erforderlichen Prüfungen durch.
Dadurch reduziert sich der Bedarf, dieselben Rechnungsdaten nach dem Rechnungsaustausch nochmals in einem separaten manuellen Meldeprozess aufzubereiten.
Vorteile von Peppol für E-Rechnungsprozesse in den VAE
Da das E-Rechnungsmodell der VAE auf Peppol basiert, steht insbesondere international tätigen Unternehmen eine gemeinsame Interoperabilitätsinfrastruktur zur Verfügung.
Strukturierter E-Rechnungsaustausch
Über Peppol übermittelte Rechnungen enthalten strukturierte Daten. Dadurch können ERP- und Buchhaltungssysteme Rechnungsinformationen automatisiert lesen und verarbeiten.
Automatisierung von Rechnungsprozessen
Die direkte Übertragung strukturierter Rechnungen zwischen Systemen reduziert manuelle Dateneingaben und unterstützt die Automatisierung bei Erstellung, Versand, Empfang und Verarbeitung von Rechnungen.
Standardisierte Datenstruktur
PINT-AE schafft eine gemeinsame Struktur für Rechnungsdaten und Geschäftsregeln in den VAE. Dadurch können unterschiedliche Systeme Rechnungen entsprechend den festgelegten technischen Anforderungen verarbeiten.
Grenzüberschreitende E-Rechnungsprozesse
Peppol ist nicht auf die VAE beschränkt. Das internationale Interoperabilitätsnetzwerk wird auch in Europa und weiteren Märkten eingesetzt.
Unternehmen, die zwischen Europa und den VAE oder in mehreren Peppol-Märkten tätig sind, können ihre E-Rechnungsprozesse deshalb auf Basis einer stärker vereinheitlichten technischen Infrastruktur planen.
Mehrere Märkte über eine gemeinsame Infrastruktur anbinden
Eine Peppol-basierte Infrastruktur kann Unternehmen dabei unterstützen, E-Rechnungstransaktionen in unterschiedlichen Märkten über eine gemeinsame Struktur zu verwalten, anstatt für jedes Land vollständig separate Anbindungen aufzubauen.
Das ist insbesondere für Unternehmen relevant, die in mehreren Ländern unterschiedliche E-Rechnungspflichten erfüllen müssen.
E-Rechnungsprozesse in den VAE mit JetPeppol verwalten
JetPeppol unterstützt Unternehmen dabei, Peppol-basierte E-Rechnungsprozesse über eine zentrale Plattform zu verwalten.
Sie können strukturierte elektronische Rechnungen senden und empfangen, Dokumentenstatus verfolgen und Peppol-Transaktionen in unterschiedlichen Ländern über eine gemeinsame Infrastruktur verwalten.
Im Rahmen der Einführung der verpflichtenden E-Rechnung in den VAE können Sie gemeinsam mit dem JetPeppol-Team prüfen, welches Modell zu Ihrer Umsatzgruppe, Ihrer bestehenden ERP-Landschaft und den weiteren Märkten passt, in denen Ihr Unternehmen tätig ist.
